Neujahrsgedanken

Die Sonne kommt heute kaum durch den Dunst. Es ist, als hätte sich eine Wolke auf unserem Stadtteil niedergelassen,

Auch in Jordanien ist Neujahr ein gesetzlicher Feiertag, wie im Übrigen auch der 25. Dezember und der Ostersonntag. Das heißt, Schulen, Universitäten, Behörden, Banken und ähnliche Betriebe sind geschlossen, auch die meisten Produktionsstätten – aber natürlich nicht Geschäfte und Malls.

Ich nutze die Stille des Morgens und machte einen netten Spaziergang zu der kleinen Mall, die unten am Kreisverkehr liegt. Wichtig ist dort eigentlich nur der Supermarkt, die wenigen Geschäfte im Obergeschoss nutze ich gar nicht und der oft von Kindergruppen belagerte Fastfood- und Spielbereich ist mir eher ein Greuel: zuviel Krach auf zu engem Raum. Aber das Erdgeschoss bietet fast alles, was ich an Lebensmitteln und Putzmaterial brauche, nur manches erstehe ich anderswo, wenn der Preisunterschied zu krass ist. Anderes ist hier wieder billiger, wie zum Beispiel das Milchpulver.

Das beste ist aber, dass es fast nie voll ist, sondern ich immer in Ruhe einkaufen kann. In Deutschland habe ich es eher gehasst, in diesem Geschäft ist es ein Genuss, gemütlich durch die Gänge zu bummeln und genau zu prüfen, was ich brauche und was gerade günstig ist. Heute hatte ich Glück und stieß auf ein Sonderangebot von Süßkartoffeln, die meine Männer gerne einfach gekocht essen. Einziger Nachteil: das Gewicht.  Ansonsten hatte man wohl gerade Inventur gemacht, einige Regale waren ungewöhnlich leer, bei anderen mal wieder eine kosmetische Auffüllung: die vordere Reihe mit den gleichen Packungen ausgefüllt. Überhaupt fällt mir bei den hiesigen Supermärkten, auch im Carrefour, auf, dass oft sehr viel gleiche Produkte im Regal stehen, während in D es oft nur eine kleinere Anzahl ist, dafür aber gleiches von viel mehr anderen Marken. Hier käme man oft auch mit weniger Raum aus.

Dafür sind die allermeisten dieser größeren Läden sehr sauber, es wird ständig aufgeräumt und geputzt.

Der Weg nach Hause führt mich zuerst über die Fußgängerbrücke – viele Treppenstufen, mit meinen drei nicht ganz leichten Tüten. Eine davon teilen sich zwei Pakete mit Teebeuteln. Ich konnte nicht wiederstehen, den Tee brauchen wir ohnehin, und diesmal gab es als Zugabe je eine Zuckerdose und einen Milchgießer.

Auf der anderen Seite der vierspurigen Straße, die das Stadtviertel zerteilt, gehe ich zunächst ein Stück wieder bergab, zur Bäckerei. Zwar gibt es auch bei uns in der Nähe Brot, aber hier ist eine der Verkaufsstellen für das – noch – subventionierte Fladenbrot. Für einen halben Dinar bekomme ich da eine große Portion, von der ich zu Hause erst mal zwei Drittel einfriere, damit es frisch bleibt. Heute nehme ich noch vier kleine, dicke Fladen aus etwas dunklerem Teig mit, wir haben so schönen türkischen Käse erwischt, der schmeckt damit viel besser. Und dann duftet es von einem der Backwagen aus Metallgestänge, auf denen die Waren auskühlen: Dattelringe. Das ist ein Gebäck aus einem Teig wie in Deutschland Rosinenbrötchen, in Form eines dicken Ringes, der mit Dattelpaste gefüllt ist. Ich liebe diese Ringe. Auch meine Katzen, im Übrigen, die belagern mich regelmäßig, wenn ich so etwas esse. Ich kaufe mich dann oft durch gezielte Würfe von kleinen Stücken frei, allerdings ohne Dattelpaste, die mögen sie nicht.

Das Ergebnis ist jedoch, dass ich nun auf beiden Seiten drei Taschen habe – und das bergauf.

Das Laufen ist jedoch ein Vergnügen heute. Inzwischen Sonnenschein, eher noch immer ziemlich kühl, aber so gerade die richtige Temperatur, um den Kram nach Hause zu schleppen. Nur gut, dass ich das nicht oft machen muss.

Und sonst, Neujahr? Nix. Gut geschlafen habe ich, von Feuerwerk war hier nichts zu hören oder zu sehen. Mein Mann meldete aus Aqaba, dass von der eigentlichen Attraktion, Silvesterfeuerwerk von drei Ländern, nichts zu sehen war, da ja Ägypten und Israel durch die Entscheidung der Jordanier, die Uhr nicht mehr auf Winterzeit umzustellen, erst eine Stunde später dran waren. Daran hatte niemand von uns gedacht. Und hier, seit wir im Erdgeschoss wohnen statt im vierten Stock, lohnt sich das Aufbleiben auch nicht mehr.

Ein ruhiger Tag. Mögen die anderen 364 nicht schlechter sein.

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